Spurensuche in Peenemünde

IMG_7167Bei einer historischen Rundfahrt auf dem ehemaligen Gelände der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVP) besuchte ich u.a. auch den legendären Prüfstandes VII. Ein fachkundiger Reiseführer lieferte mir dazu zahlreiche Hintergrundinfos. Die Besichtigung der Anlage macht nur mit diesen Informationen sind, weil viel Vorstellungskraft gefordert wird, da sich die Natur das Gelände im Großen und Ganzen zurückerobert hat.

Achtung:
Es wird davor gewarnt diese Tour ohne autorisierten Wegbegleiter zu unternehmen, da das Gelände immer noch munitionsverseucht ist. Das Gelände ist nach wie vor Sperrgebiet und jedes illegale Eindringen wird strafrechtlich verfolgt.

IMG_8593

Fachkundige Führung durch Joachim Saathoff vom Museumsverein Peenemünde

Der Prüfstand VII war die wichtigste Abschussrampe für A4-Raketen auf dem Peenemünder Haken und wurde daher entsprechend ausgebaut. Ein ca. 150 x 100 m großer Ringwall umfasste den Startplatz der Raketen.

Bilder tdot-ejk-2012 062

Schiebebühne für Transporttürme

Diese wurden in einer Montagehalle per Zug angeliefert, innerhalb dieser aufgerichtet, montiert und dann mittels Transporttürmen zunächst über eine Schiebebühne Richtung Erdwalleingang geschoben. Dort wechselte der Prüfturm seine Richtung zum inneren des Erdwalls, bis er über der Abgasschurre in seine Endposition gebracht wurde.

Über der mit Wasser gekühlten Abgasschurre wurden die Triebwerke testweise gestartet. Die letztliche Startpositon befand sich neben der Abgasschurre, von welcher aus die V2-Raketen von Abschusstischen gestartet wurden. Der Start erfolgte über den Leitstandbunker, welcher in den Erdwall eingelassen war, quasi der Vorläufer aller heutigen Leitstände bei Raketenstarts.

Vom Prüfstand VII (P-VII) der Heeresversuchsanstalt Peenemünde hob am 3. Oktober 1942 um 15:58 Uhr MEZ die erste von Menschenhand gefertigte Rakete ab und erreichte mit 85 km Höhe den Weltraum. Der Prüfstand VII wird daher auch die “Wiege der Raumfahrt” bezeichnet. Die A4-Rakete flog 296 Sekunden und stürzte nach 190 km in die Ostsee.

Bilder tdot-ejk-2012 069

Abgasschurre

Vom gesamten Areal sind noch wenige Überbleibsel zu sehen. Fast alles wurde gesprengt und somit vollständig zerstört. Zum Beispiel ist von der 32 m hohen Montagehalle nur noch ein großer Schutthaufen vorhanden. Zu sehen sind noch teilweise die Grundmauern sowie Reste der Werksbahnschienen, welche durch die Halle führten.

Die Abgasschurre ist heute vollständig mit Wasser gefüllt und ebenfalls gesprengt. Die Ausmaße sind aber gut zu erkennen. Am Startplatz selbst befindet sich noch ein Hydrant, welcher auf alten Fotos auch zu sehen ist.

Bilder tdot-ejk-2012 078

V2 Abschussstelle

Zudem wurde ein Denkmalstein mit der Aufschrift “Abschussstelle der A4-Raketen” aufgestellt. Der Leitstandbunker ist ebenfalls gesprengt worden und nur durch eine Senke und die vielen Bruchstücke im Erdwall zu erkennen.

(Autor: Erhard Belz)